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Dein Pferd macht dich stark

Wie zugewanderte Frauen selbstbewusster werden

„Dein Pferd macht Dich stark"

Das ist das Motto, unter dem die Caritas Oberberg zugewanderten Frauen Integrationshilfe anbietet. In der Reithalle des Reit- und Fahrvereins Oberberg-Süd in der Waldbröler Ortschaft Happach lernen die Teilnehmerinnen viel mehr als nur reiten: Hier geht es um Selbstwirksamkeit, Ruhe und Mut.

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Der erste Schritt kostet Überwindung.

Ein Schritt auf ein Tier zu, das fast 700 Kilo wiegt, aufmerksam die Ohren spitzt und jede noch so kleine Bewegung wahrnimmt. In der Reithalle in Waldbröl-Happach stehen Frauen, die genau diesen Schritt wagen. Sie sind aus Syrien, Tunesien, der Ukraine oder anderen Ländern zugewandert und haben viel Schlimmes erlebt. In dieser Halle in Happach lernen sie nicht nur, wie man ein Pferd putzt, führt und reitet, sondern etwas viel Wichtigeres: Selbstvertrauen, Mut, Ruhe und Erholung.

Dein.PFERD – macht dich.STARK

heißt das Projekt, das die Caritas Oberberg im Rahmen des EU-geförderten Programms „Deine.ART 2.0“ anbietet. Trainerin und Projektkoordinatorin Janine Schüttenhelm hat das Konzept erarbeitet und steht mit den Frauen in der Halle. Schritt für Schritt bringt sie ihnen bei, wie man sich Pferden nähert, sie putzt, führt und schließlich auch reitet. Viele von ihnen haben noch nie zuvor ein Pferd berührt. Manche haben sogar Angst. Und doch greifen sie nach der Bürste, streichen vorsichtig über warmes Fell – und beginnen damit eine Erfahrung, die weit über den Stall hinausreicht.

Zusammensein mit Pferden

Durch das Zusammensein mit den Pferden sollen die Frauen Selbstwirksamkeit und Ruhe erfahren und etwas nur für sich selbst erleben dürfen, abseits der Pflichten in Familie und Job. Anfangs ist da oft Respekt. „Viele trauen sich nicht direkt nahe an das Pferd oder auf das Tier hinauf“, sagt Schüttenhelm. Und weiter: „Deshalb gehen wir Schritt für Schritt vor. Zuerst werden die Pferde vorgestellt, man darf sie kennenlernen und streicheln. Dann erklären wir die Theorie und putzen sie, anschließend beginnen wir mit der Bodenarbeit, also führen und Vertrauen zu den Tieren aufbauen, weil das am Anfang oft leichter ist als direkt aufzusteigen.“ Schüttenhelm macht schon ihr ganzes Leben lang Pferdesport, hat eine Trainerausbildung gemacht, dann Soziale Arbeit studiert und bei der Caritas im Projekt „Deine.ART 2.0“ zu arbeiten begonnen. „Als ich erzählt habe, was ich neben der Arbeit mache, waren alle begeistert und haben gefragt, ob ich meine Erfahrung dort nicht einbinden kann. Also habe ich ein Konzept erarbeitet.“

Mit Bodenarbeit zum Selbstbewusstsein

Wenn die Frauen die Tiere bei der Bodenarbeit an Seil und Halfter durch die Halle führen, ändert sich etwas an ihrer Ausstrahlung. „Wenn man mit einem Pferd interagiert, muss man klare Signale geben, präsent sein, sich aufrichten. Und wenn man merkt, dass das funktioniert, dass so ein großes Tier auf einen hört, dann macht das unglaublich viel mit dem Selbstbewusstsein“, erklärt Schüttenhelm.

Pferde geben Kraft

„Am Anfang habe ich gedacht, dass wir viel reiten werden. Das haben wir auch, aber vor allem habe ich etwas über die Beziehung zwischen Mensch und Pferd gelernt. Das hat mir sehr viel Spaß und Freude gemacht. Und wenn man nach Hause geht nach diesem Kurs und sagt: ,Ich habe etwas für mich gemacht, Aus Spaß. Nicht für die Familie, für die Kinder oder die Arbeit, dann macht das auch etwas mit unserer Seele. Auch wenn man nur mit einem Pferd im Wald spazieren geht, bekommt man ein ganz anderes Gefühl und viel positive Energie. Wir Frauen brauchen diese positive Energie, die die Pferde uns geben, damit wir unser Leben weiterführen können. Denn wir kämpfen jeden Tag“, sagt zum Beispiel Hibasahan, die seit elf Jahren in Deutschland lebt und ganz begeistert von dem Projekt ist. Mittlerweile hat sie auch ihre Kinder zum Voltigieren und Reiten in der Halle angemeldet. Über das Projekt sagt sie: „Wenn mich jemand fragt, empfehle ich das direkt weiter. Allen Frauen.“

Ein Schritt zur Stärke

Viele Frauen sagen, dass sie Spaß und einen schönen Tag hatten. Noch wichtiger ist aber, wenn sie sagen: Ich bin stolz, ich habe mich etwas getraut

ergänzt Schüttenhelm.

Außerdem entstünden in der Gruppe soziale Verbindungen, die die Gemeinschaft förderten. „Für viele Teilnehmerinnen wird der Stall so zu einem geschützten Ort, an dem sie neue Stärke entdecken, Mut entwickeln und positive Erfahrungen sammeln“, fasst Schüttenhelm zusammen. Der erste Schritt auf das große Pferd zu mag schwierig gewesen sein. Aber er hat etwas in Bewegung gesetzt. Und manchmal reicht genau das, um stärker zu werden.